Dr. Ekkehart Rudolph


1929 geboren in Weferlingen/Altmark
Aufgewachsen in Halle/Saale, Abitur 1948
Studium der Germanistik, Sprechwissenschaft, Kunstgeschichte an den Universitäten Halle/Saale und Jena
1955 Diplom, 1957 Promotion zum Dr. phil.
1956–1958 Wiss. Assistent an der Universität Jena
1958 nach politischen Schwierigkeiten Flucht in die Bundesrepublik
1959–1994 Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart, zuletzt Leiter der Redaktion Literatur und Kunst
1959–1998 Dozent für Rhetorik an der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Stuttgart

seither freier Autor und Pensionär; ausgedehnte Reisen vor allem in Afrika, in Nord- und Südamerika, sowie im nahen und mittleren Osten


Veröffentlichungen:

Zahlreiche Rundfunkfeatures und Zeitungsartikel über literarische, kulturgeschichtliche und ethnologische Themen. Erzählungen und Essays in Anthologien und in Zeitschriften.
Bücher: Frei reden und überzeugen (Sachbuch) 1967, Neubearbeitung 1977; Protokoll zur Person (Autorengespräche) 1971, Aussage zur Person (Autorengespräche) 1977; Mein Herz ist eine gelbe Blume, Christa Reinig im Gespräch 1978; Zwangsweg, Roman 1985, TB 1988; Umbruch, Roman 1989; Die Kinder der Sonne. Reise zu den Dogon in Westafrika (Fotos: E. Roßhaupter) 1996.
Herausgeber folgender Anthologien mit Erzählprosa: Aus gegebenem Anlaß, 1983; Satzzeichen, 1988; Die tolle Kiste, 1991.

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Das Zitat:

Im Kreise der alten Götter war er ein Außenseiter, ein Unangepaßter, der den Olympiern schon durch seine Herkunft verdächtig war: Prometheus kam aus dem Geschlecht der Titanen. Einst waren sie, unter Kronos, Herrscher über Himmel und Erde gewesen. Als ihre Ordnung entartet, die Herrschaft des Kronos zur Tyrannei verkommen war, hatte Zeus sie nach zehnjährigem Kampf entmachtet. Prometheus, der Sohn des Iapetos und der Themis, war sein Verbündeter gewesen. Doch wechselte mit dem Umsturz nur die Dynastie, nicht das System. Der Götterhimmel blieb eine Diktatur … Beharrlich verstand sich Zeus als Hüter seiner Ordnung, die er als unveränderbaren und darum unantastbaren Besitz betrachtete. Ein konservativer, ein reaktionärer Herrscher aus heutiger Sicht, mit dem Prometheus früher oder später ebenso in Konflikt kommen mußte, wie er mit dem Titanen Kronos in Konflikt gekommen war. Denn Prometheus hat sich nie als Hüter des Vorhandenen, sondern immer als Erneuerer verstanden. Sein Blick war nach vorn auf das Entstehende gerichtet, nicht nach rückwärts auf das Entstandene. Das bezeugt schon sein Name: Prometheus, das heißt der Voraussehende, der Weiterdenkende. Ein Intellektueller also nach heutigem Begriff, der das Bestehende … infrage stellte, um Fortschritt zu ermöglichen. Zweifel und schöpferische Unruhe waren die bewegenden Elemente seines Geistes.

(aus: Prometheus. Versuch über den menschlichsten Gott. In: Schnittlinien – für HAP Grieshaber. Herausgegeben von W. Rothe, Claassen Verlag)