Dr. h. c. Helga Schubert


1940 geboren in Berlin-Kreuzberg
1941 Tod des Vaters (Gerichtsassessor am Kammergericht Berlin) im Krieg in der Sowjetunion
1944 Evakuierung mit der Mutter (Dipl-Volkswirtin) nach Hinterpommern
1945 Von dort Flucht mit ihr zu den Großeltern vtls. nach Greifswald, zurück zu den Großeltern mtls. in die sowjetische Besatzungszone Berlins seitdem Hauptwohnsitz Berlin (seit 1997 in »West«-Berlin)
seit 1975 Nebenwohnsitz in einem Dorf im Landkreis Nordwestmecklenburg
1946–1957 Schulbesuch in Berlin, Forst-Zinna und Potsdam-Babelsberg
1957 Abitur Berlin-Köpenick
1957–1958 Montiererin am Band in Berlin-Oberschöneweide im Rahmen des sog. Praktischen Jahres vor dem Studium
1958–1963 Studium der Psychologie mit Diplom an der Humboldt-Uni Berlin
1963–1987 Arbeit als klinische Psychologin in Berlin-Weißensee und Berlin-Mitte in der Erwachsenen-Psychotherapie
seit 1975 Erzählungen veröffentlicht
seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin
1975–1989 Observierung durch das MfS: »feindlich-negativ«
1989–1990 Pressesprecherin des zentralen Runden Tisches in Berlin

Lehraufträge an der Humboldt-Universität, der Purdue-University/ Hammond-Indiana/USA, dem Colorado-College/Colorado-Springs/USA und dem Study-Center der Purdue- und der Ohio-State University in Hamburg
Mitglied in der Evangelischen Kirche, im Goethe Institut Inter Nationes und im PEN-Zentrum


Veröffentlichungen:

Theaterstücke und Hörspiele:
Eine unmögliche Geschichte (Theater Rudolstadt und Rundfunk); Anna (Rundfunk, Regie Jochen Staritz); Verbotene Umklammerung (Theater Suhl); Ansprache einer Verstorbenen an die Trauergemeinde (Hochschule für Schauspiel Berlin, Titelrolle Jule Böwe); Judasfrauen, Spielgemeinde Leipzig.

Filmszenarien:
Die Beunruhigung, Spielfilm, auch im Frauenfilm-Festival Toronto gezeigt, als Buch im Henschel-Verlag Berlin; Ab heute erwachsen, Spielfilm (Drehbuch gemeinsam mit Gunther Scholz, der auch die Regie führte); Klassentreffen, Dok-Film (Rias-TV 1990) – Regie: Frank Damrau; Die sieben Bitten des Vaterunser (MDR), Regie: Jörg Foth; Du bist ein Geist der Liebe – Mecklenburgs vergessene Dorfkirchen (ZDF, 1996), Regie: Dagmar Brendecke

Erzählungsbände:
Lauter Leben, 31 Erzählungen, 1975 Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar (Auswahl daraus als Anna kann Deutsch im Luchterhand-Verlag); Das verbotene Zimmer, 1982 Luchterhand-Verlag, Darmstadt (nur in der Bundesrepublik), in Italien in Lizenz erschienen; Judasfrauen, Zehn Fallgeschichten weiblicher Denunziation im Dritten Reich, 1990, Aufbau- Verlag, Luchterhand-Verlag, später Büchergilde Gutenberg, im dtv München in zwei verschiedenen Ausgaben, einmal als Sachbuch und danach in der Belletristik, auch in Italien, Japan und Frankreich; ein gemeinsames mehrstündiges Interview mit Rita Süßmuth und Helga Schubert: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung? erschien 1990 in »Die Zeit«, Hamburg, als Buch im Pendo-Verlag und bei Piper; Die Andersdenkende, Essays, Originalausagabe dtv München, 1994; Das gesprungene Herz, Leben im Gegensatz, Essays, Originalausgabe dtv München, 1995; 4 Kinderbücher mit der Hauptfigur Bimmi im Kinderbuchverlag und »Bimmi vom hohen Haus« 2000 bei Middelhauve; ab 1994 mehrere Jahre monatliche Kolumnen für das »Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt« in Hamburg; in »Gegenwelten«, Verlag Stock & Stein, 2001, ein Beitrag zu den Bildern von Johannes Helm (gemeinsam mit Ralph Giordano, Helga Schütz, Jürgen Borchert und Ulrich Schacht); Die Welt da drinnen – eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom »unwerten« Leben, Fischer Taschenbuch Verlag, Originalausgabe, Frankfurt/M 2003


Nominierungen und Auszeichnungen:

1980 Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Verbot der Teilnahme durch die SED-Behörde; 1983 Falladapreis, Verbot der Annahme durch die SED-Behörde; 1983 Heinrich-Greif-Preis für den Film »Die Beunruhigung«; 1986 Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR; 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich; Wahl in den PEN; 1991 Doctor of humane letters der Purdue-University/USA; 1992, seit Gründung Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik
1993 Verleihung des Falladapreises (Laudatio Günter Kunert); Jurymitglied des Bettina-von-Arnim-Preises Hamburg; 1996 Wahl als Mitglied des Goethe Instituts München; Jurymitglied des Bibelwettbewerbs des Landes Mecklenburg-Vorpommern; 1995 und 1997 Arbeitsstipendien des Kultusministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu Recherchen und zum Schreiben des Buchs über die Euthanasie in der Schweriner Nervenklinik 1941

Lesungen an in- und ausländischer Universitäten, auch im Rahmen ihrer Hochschulferienkurse, in den Goethe-Instituten Brüssel, Berlin, Chikago, Montreal, Palermo, Neapel, Triest, für die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen, für die Konrad-Adenauer-Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg und Sachsen, für die Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen, für die Evangelischen Akademien Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, in Evangelischen Kirchengemeinden, in Volkshochschulen, Gymnasien (vorwiegend 11.–13.Klassen), Bibliotheken und Buchhandlungen.

Adresse: Wiesenweg 4 · OT Neu Meteln · 19069 Alt Meteln Telefon: 03867-286 · Fax: 03867-612096
eMail-Adresse: Schubert-Helm@web.de


Das Zitat:

O Sapperment, wie sperrn wir Mund und Nase auf, wenn sie vier Stunden erzählt, was sie drüben im Polnischen erlebte, als sie nur mal mit dem Fahrrad in Frankfurt über die Brücke fuhr für fumfzehn Minuten. Und wenn wir uns so grausam über ihre Geschichten verwundern, so müßt Ihr nicht denken, sie salbaderte, bände uns Bären auf, machte Elephanten zu Nachtigalln – ich müßte des Todes sein, wenn ich dergleichen behaupte. Profession und Talent haben sie mit Über-Blicken über das Leben der Menschen ausgerüstet. Wir geraten ihr wie nach ellenlangem Schwitzbad vor die Augen, wenn Hitze uns dermaßen die Poren geöffnet hat, daß die Seele hindurchsieht wie durch ein Gitter. Und sie ermuntert uns: eher lassen wir uns vom Donner erschmeißen, bevor wir uns mit Verhältnissen begnügen, die nicht menschlich sind. Oder: LIEBER EIN BLUTIGES OHR UND ZUFRIEDEN.

Sarah Kirsch: Nachsatz für Helga Schubert (Zu Lauter Leben, 1975)