Dr. h. c. Henryk Bereska †


1926
geboren in Kattowitz-Schoppinitz in einer Bergarbeiterfamilie.
1940
Landdienst in der Nähe von Bunzlau. Verwaltungslehre in Kattowitz und Segelfliegerei.
Mai 1944
bis Mai 1945 abgebrochene Pilotenausbildung in Fürstenfeldbruck. Nach kurzer amerikanische Gefangenschaft Gelegenheitsarbeiter, Schiffbauhelfer in Elsfleth, Landarbeiter in der Lausitz.
1947–48
Abitur an der Vorstudienanstalt in Berlin.
1948–52
Studium der Germanistik und Polonistik an der Humboldt-Universität. Während des Studiums Übersetzungen aus dem Polnischen und Arbeit am Mickiewicz-Lesebuch.
1953–55
Lektor für Polnische Literatur am Ost-Berliner Aufbau-Verlag.

Ab 1955 freiberuflicher Übersetzer polnischer Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwart (Andrzejewski, K. Brandys, Breza, Choromański, Iwaszkiewicz, Hanna Malewska, Myśliwski, Norwid, Różewicz, Witkiewicz u.a.)
Zuletzt übersetzt: Prosa von Zagajewski, Natasza Goerke, Lyrik von Zbigniew Herbert, Tadeusz Różewicz, Urszula Kozioł, Żurakowski u.a.

Henryk Bereska starb am 11. September 2005 in Berlin


Veröffentlichungen:

Lautloser Tag, 1980, Gedichte, Verlag amBEATion Randlage, West-Berlin; Berliner Spätlese, 1991, Gedichte mit Zeichnungen von Horst Hussel; 2. Erweiterte Auflage 2000; Ausgewählte Werke in 3 Bänden, 1995 Corvinus Presse Berlin: Bd.1: Auf einem Berg auf Sand, Gedichte, 1995; Bd.2: Und wenn die mageren Jahre die fetten waren, Aphorismen und Notate, Vorwort Günter Kunert, 1999; Zweite Auflage Sommer 2000, Bd.3: Das schwer verwischbare Zeugnis, Verstreute Gedichte, 2002; Wiersze, Gedichte, Krakau, 1999; HB 70. Festschrift für H. Bereska, mit 69 Wortbeiträgen, 19 Grafiken, 20 Fotos, Corvinus Presse 1996; Nebesno Pristanishtshe, Gedichte, bulgarisch, Sorang-Verlag Sofia, 1998; Wiersze, Gedichte (polnisch) Verlag Baran i Suszczýnski, Kraków 1999; Familoki, Gedichte deutsch/polnisch, Księgarnia Akademicka, Krakau 2001; Spätlese, H. Bereska liest seine Gedichte, CD; Mitlesebuch (Bd. 46) Lyrik, Grafik von Beate Kicherer, Aphaia Verlag, Berlin, 2002; Burgschreiber zu Beeskow, Märkische Streifbilder mit 20 Illustrationen, Aphaia Verlag, Berlin, 2003.


Das Zitat:

Aphorismen und Notate

Amboß oder Hammer sein? Dann schon lieber Schmied.

Erfolgreiche Umerziehung: Wenn der Umzuerziehende seinen Irrtümern abschwört und sich zu denen seines Erziehers bekennt.

Revolution oder Konterrevolution – darüber zerbrach man sich schon immer die Köpfe und Knochen.

Dass jede reine Lehre soviel Dreck am Stecken hat.

Man kann auch in der Opposition seine Unabhängigkeit einbüßen.

Die Sehnsucht nach dem freien Leben trieb die Hausgans morgens zu den freien Wasservögeln. Als der Abend kam, wie schrie sie nach dem heimischen Gatter.

Kluge Opportunisten hauen beim Umschwung der Zeiten nicht gleich auf die Pauke, wenn sie vorher Fanfare geblasen haben, sondern streichen zwischendurch mal die Harfe.

Auslese, Säuberung – nette Begriffe, nur ziemlich blutbesudelt.

Auge um Auge – welch humane Haltung!

Bald wird das Brüllen eines Säuglings damit erklärt, er sei um seine Altersrente besorgt.

Neben dem gelebten Leben läuft paralell das unverwirklichte, in Plänen, Vorsätzen, Entwürfen steckengebliebene. Würde man es im Wiederholungsfall wahrmachen?

Uncäsarisch: Ich kam, sah und … ging.

(Aus »Und wenn die mageren Jahre die fetten waren?« Ausgewählte Werke in drei Bänden, Band 2, Corvinus Presse, Berlin)