Prof. Dr. Wolfgang Schuller †


1935 geboren in Berlin
1942–1946 Mecklenburg und Thüringen
1946 über die grüne Grenze nach Niedersachsen
1955 Abitur in Lüneburg
1955–1960 Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg, Lausanne und Hamburg, Referendarexamen
1961–1965 Referendar in West-Berlin, Assessorexamen
1965–1967 Assistent an der Juristischen Fakultät in Hamburg, gleichzeitig
Zweitstudium der Altertumswissenschaften.
1967 Juristische Promotion in Hamburg, Fortsetzung des Studiums an der FU Berlin
1968 Assistent für Alte Geschichte an der FU
1971 Habilitation
1972 Professor für Alte Geschichte an der PH Berlin
1976 an der Universität Konstanz

Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt,
des Historikerverbandes und der Mommsen-Gesellschaft.

2020 verstorben


Veröffentlichungen:

Geschichte und Struktur des politischen Strafrechts der DDR bis 1968 (1980), Griechische Geschichte (5. Aufl. 2002, Neugriechische Übersetzung 2. Aufl. 2001), Einführung in die Geschichte des Altertums (1994, polnische Übersetzung 1998), Frauen in der griechischen Geschichte (1985), Frauen in der römischen Geschichte (1987, Taschenbuch 1992), Das Römische Weltreich (2002), Vom Maß des Lebens und der Liebe (zu Bildern von Bruno Epple, 2003). Zahlreiche Artikel und Rezensionen zu altertumswissenschaftlichen und zeitgeschichtlichen (insbesondere zur DDR-Geschichte) Fragen in wissenschaftlichen Publikationen und der Tagespresse (FAZ).

Adresse:privat: Am Guckenbühl 12 · 78465 Konstanz
dienstlich: Universität Konstanz, Fach D 3 · 78457 Konstanz
Fax: 07531/88-4189
eMail-Adresse: Wolfgang.Schuller@uni-konstanz.de


Das Zitat:

Was die DDR betraf, stellte ich das klassische Muster der Nichtübereinstimmung von Basis und Überbau fest. Unten geschahen Dinge, die zu Ulbrichts Zeiten oder zu Zeiten des frühen Honecker einfach ausgeschlossen gewesen wären und die man als ein Nachlassen der Repression bezeichnen kann. Daß es überhaupt Repression gab, war ja auch aus dem Bewußtsein der meisten westlichen Beobachter verschwunden, und deshalb konnte ihr Nachlassen auch nicht wahrgenommen oder jedenfalls nicht richtig gewichtet werden. Es war nämlich keine Liberalisierung, die auf innerer Stärke beruht hätte, sondern es war ein Zurückweichen vor unüberwindlichen Zwängen. Ich nenne hier bloß die nur halbherzige Verfolgung der Opposition, zum Teil nach wie vor brutal, aber eben nur zum Teil. Es ist in einem manichäischen System, das totale Übereinstimmung fordert, ausgeschlossen, daß sich Opposition bemerkbar machen kann, ohne gnadenlos verfolgt zu werden. Weiter nenne ich hier nur noch die immer mehr zunehmenden Westreisen, die einen gewaltigen Bewußtseinswandel hervorrufen mußten und hervorriefen.

Aus: Hans-Dietrich Genscher/Ulrich Frank-Planitz (Hgb.), Nur ein Ortswechsel? Eine Zwischenbilanz der Berliner Republik. Zum 70. Geburtstag von Arnulf Baring, Stuttgart und Leipzig 2002

Ich will zum Schluß nun nicht kitschig werden, aber aus den Quellen jedenfalls ergibt sich ein Gesichtspunkt ganz anderer Art, dessentwegen Hetären hochgeschätzt wurden. Er hat mit Ehe, Familie, Gesellschaft rein gar nichts zu tun. Es ist der ästhetische Begriff der Schönheit. Natürlich war es das Berufserfordernis par excellence einer Hetäre, schön zu sein, aber eine Durchmusterung der oben angeführten Quellen zeigt doch, daß es gerade diese – an sich schlechterdings notwendige – Eigenschaft war, die eine so große Anerkennung fand, und zwar über den Einzelfall hinaus bis hin in den Bereich der gesellschaftlichen Achtung. Das hat meines Wissens in anderen Kulturen keine Parallele, und das würde auch ein bezeichnendes Licht auf die antike Kultur insgesamt werfen. Und mit diesem wohl seinerseits schönen Gedanken schließe ich.

(Aus: Hetären in Griechenland und Rom, in: Anke Väth (Hg.): Bad Girls – Unangepasste Frauen von der Antike bis heute. Konstanz 2003, in Druck)